Hilfe für Rotfüchse

Helfen oder nicht? Situationen, in denen Fuchswelpen (keine) Hilfe benötigen.


Die meisten Fuchswelpen kommen im März oder April zur Welt. In seltenen Fällen können Fuchswelpen allerdings auch bereits Ende Januar geboren werden [WR01, S. 100]. Im Alter von 3-4 Wochen wagen sie ihre ersten Schritte außerhalb des Fuchsbaus, wo sie in den kommenden Wochen im Spiel mit ihren Eltern und Geschwistern überlebensnotwendige Fertigkeiten erlernen und trainieren. Die Chance, einen Fuchswelpen an seinem Bau zu sehen oder einem Fuchswelpen in der freien Natur zu begegnen, ist von April bis Juni am größten. In so einer Situation zu entscheiden, ob ein Fuchswelpe Hilfe benötigt, kann schwierig sein, wenn man sich mit dem natürlichen Verhalten von Füchsen nicht auskennt. Leider geschieht es immer wieder, dass die niedlich aussehenden Fuchswelpen von tierlieben Spaziergängern grundlos mitgenommen werden, weil sie fälschlicherweise für Waisen gehalten werden. Oft werden sehr junge Fuchswelpen auch mit anderen Tierkindern (z. B. Katzen-, Hunde-, Marderwelpen) verwechselt. Doch nicht jeder Fuchswelpe, den man alleine antrifft, der zutraulich und vermeintlich hilfsbedürftig erscheint, benötigt tatsächlich Hilfe. Indem man solche Fuchswelpen – zwar mit guten Absichten aber dennoch ohne Grund – aus ihrem Umfeld und ihrer Familie reißt, schadet man nicht nur dem Individuum. Falls eine Rückführung eines unnötig mitgenommenen Welpen nicht möglich ist, belegt man mit dem Tier auch einen der ohnehin zu wenigen Pflegeplätze im Wildtierschutz und nimmt damit ggf. wirklich hilfsbedürftigen Tieren die Chance auf eine erfolgreiche Aufzucht und Wiederauswilderung. In den meisten Fällen hat ein Welpe die besten Überlebenschancen, wenn man ihn in der Natur und in der Pflege seiner Eltern belässt [STWH, S. 112].

Es kommt sehr selten vor, dass Fuchswelpen von ihren Eltern absichtlich aufgegeben und verlassen werden. Es kann vorkommen, dass ein kranker Welpe von der Mutter verstoßen wird, um die restlichen Welpen zu schützen. Üblicherweise geraten Fuchswelpen jedoch in Not, weil ihrer Mutter etwas zustößt (z. B. durch Jagd oder Straßenverkehr). Wenn die Welpen allerdings bereits entwöhnt sind, können sie auch vom Vater oder älteren Geschwistern weiter versorgt und aufgezogen werden. Um zu entscheiden, ob ein Fuchswelpe Hilfe braucht, sollte also sein Zustand, sein Alter und die äußeren Umstände berücksichtigt werden.

Im Folgenden möchte ich einige Situationen auflisten, in denen Hilfe wahrscheinlich nötig bzw. unnötig ist. Im Zweifel gilt jedoch immer: Bevor Sie eingreifen, kontaktieren Sie bitte einen fuchskundigen Ansprechpartner, z. B. über das Fuchshilfsnetz (www.fuchshilfsnetz.de), und besprechen Sie die Situation und das korrekte Vorgehen. Fragen Sie nicht den Jäger um Rat, da er i.d.R. nicht im Sinne der Füchse beraten oder handeln wird. Fassen Sie den oder die Welpen nicht an, falls es nicht unbedingt nötig ist, damit der menschliche Geruch die Fuchseltern später nicht unnötig verunsichert [STWH, S. 114]. Nähern Sie sich nicht dem Bau und stören Sie die Tiere nicht. Beobachten Sie die Situation zunächst aus sicherer Entfernung. Achten Sie stets auf Ihren Selbstschutz und beachten Sie die gesetzlichen Vorschriften!

In folgenden Fällen ist i.d.R. keine Hilfe nötig:

  • Sie entdecken Welpen, die alleine am Bau oder in dessen direkter Umgebung (lautstark) spielen oder toben. Es liegen Futterreste herum. Mangelnde Scheu oder Neugierde gegenüber Menschen ist in diesem Alter nicht ungewöhnlich und kein Zeichen einer Hilfsbedürftigkeit. Es ist gut möglich, dass die Eltern sich lediglich etwas abseits zur Ruhe gelegt haben oder auf Futtersuche sind.
  • Sie treffen einen einzelnen Welpen am Bau an, der aber einen fitten und aufgeweckten Eindruck macht. Möglicherweise zieht die Familie in einen anderen Bau um und dieser Welpe ist noch am alten Bau oder bereits am neuen Bau. Manchmal werden die Welpen eines Wurfs auch vorübergehend auf zwei Baue aufgeteilt.

Falls Sie einen Fuchswelpen in ähnlichen Situationen mitgenommen haben, zögern Sie bitte nicht und kontaktieren Sie sofort einen fuchskundigen Ansprechpartner (z. B. über das Fuchshilfsnetz: www.fuchshilfsnetz.de). Falls die Entnahme unnötig war, ist möglicherweise noch eine erfolgreiche Rückführung des/der Welpen möglich und sollte dann unbedingt unter sachkundiger Anleitung versucht werden. Falls Sie unsicher sind, können Sie die Situation in solchen Fällen auch aus sicherem Abstand beobachten (aus großer Entfernung gegen den Wind oder aus dem Auto heraus). Alternativ können Sie die Situation nach einigen Stunden oder am nächsten Tag kontrollieren. Bei älteren Fuchswelpen, die bereits entwöhnt und gesund aber offensichtlich verwaist sind, kann man (vorbehaltlich rechtlicher Bestimmungen) die Tiere in der freien Wildbahn mit Wasser und Futter versorgen, anstatt sie zur Pflege in menschliche Obhut zu geben.

In manchen Situationen ist jedoch dringende Hilfe erforderlich und die Empfehlung, einige Stunden abzuwarten, kann den Tod der Welpen bedeuten. Einige solche Fälle sind im Folgenden aufgelistet. Die Entnahme von Fuchswelpen aus der Natur sollte die absolut letzte Maßnahme sein. Kontaktieren Sie in diesen Fällen so bald wie möglich einen fuchskundigen Ansprechpartner, um das korrekte Vorgehen zu besprechen und den/die Welpen in kompetente Hände zu geben. Achten Sie stets auf Ihren Selbstschutz und beachten Sie die gesetzlichen Vorschriften!

  • Junge Fuchswelpen mit geschlossenen Augen, die Sie oberirdisch und ungeschützt antreffen, benötigen Hilfe, da sie ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren können. Die Welpen sollten gesichert werden, um sie vor Unterkühlung zu schützen. Wenn die Welpen gesund sind, sollte später eine kontrollierte Rückführung versucht werden.
  • Ein Fuchswelpe schläft auf der Seite liegend oberirdisch (z. B. unter einer Hecke). Der Welpe ist wahrscheinlich krank oder verletzt und benötigt Hilfe.
  • Wenn Sie sich einem Fuchs nähern können und ihn ohne Gegenwehr hochnehmen können, benötigt er wahrscheinlich Hilfe.
  • Sie entdecken Welpen am Bau, die nicht miteinander spielen, sondern lethargisch sind oder nach ihren Eltern suchen und rufen (meist ein drei-silbiges Bellen: „wow-wow-wow“). Es liegen keine Futterreste mehr in der Umgebung des Baus. Die Welpen werden möglicherweise nicht mehr versorgt und benötigen Hilfe.
  • Fuchswelpen, die gezielt auf Menschen zulaufen, ihnen hinterherlaufen und dabei rufen, sind ggf. sehr hungrig und suchen verzweifelt Hilfe. Verwaiste Welpen sind meist Schwach, dünn und machen durch Laute auf sich aufmerksam [WMAR, S. 19-20].
  • Ein Welpe mit einer offensichtlichen Verletzung (Wunde, Knochenbruch, Lähmung), kahlen Stellen im Fell oder Verhaltensauffälligkeiten (Zuckungen, Taumeln, Umfallen) benötigt Hilfe.
  • Ein Welpe, der von einem Hund oder eine Katze angegriffen oder ins Maul genommen wurde benötigt Hilfe.
  • Welpen, die in Verkehrsunfälle verwickelt wurden (Bewusstlosigkeit, Schock) sollten auch ohne sichtbare Verletzungen 24 Stunden zur Beobachtung in fachkundiger menschlicher Pflege verbringen. Wenn alles in Ordnung ist, können sie anschließend durch eine Rückführung wieder mit ihrer Familie vereint werden [TCF1, S. 137-138].
  • Ein Welpe hat sich in einem Netz, einer Schlinge, einem Zaun oder einer Spalte verfangen oder eingeklemmt. Befreien Sie das Tier nicht einfach. Auch wenn es keine sichtbaren Verletzungen gibt, können Abschnürungen tödliche Spätfolgen haben [TCF1, S. 138]. Halten Sie zunächst Abstand, um dem Tier Stress zu ersparen und kontaktieren Sie einen fuchskundigen Ansprechpartner, um das korrekte Vorgehen zu besprechen. Das Tier sollte untersucht und ggf. vorübergehend zur Beobachtung in einer Pflegestelle aufgenommen werden.
  • Sie treffen einen Fuchswelpen an einer gefährlichen Stelle (z. B. auf einer vielbefahrenen Straße oder auf einem Hundeplatz) an. Bringen Sie den Welpen dazu, den Gefahrenbereich zu verlassen oder tragen Sie ihn aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich. Beachten Sie dabei den Selbstschutz! Setzen Sie ihn an eine sichere, geschützte Stelle und kontaktieren Sie einen fuchskundigen Ansprechpartner, um ggf. weitere Maßnahmen zum Schutz des Welpen zu diskutieren.

(Stand 16.01.2018, Angaben ohne Gewähr.)