Hilfe für Rotfüchse

Notfall:


Wann ein Fuchs sofort zum Tierarzt muss.


Einleitung

(Bitte beachten Sie grundsätzlich die rechtlichen Vorschriften sowie den SELBSTSCHUTZ . )

Gegenüber Artgenossen oder Feinden Schwäche zu zeigen, kann für einen Fuchs schwerwiegende Folgen haben. Deshalb verbergen sie Schmerzen und Krankheit so gut und so lange es geht und leiden stumm. Wenn man also einem Fuchs ansehen kann, dass er sich schlecht fühlt, so benötigt er dringend Hilfe.

Geringe Scheu muss bei einem Fuchs (insbesondere in oder in der Nähe von Siedlungsgebieten) kein Anzeichen für eine Krankheit sein. Grundsätzlich sollte man aber davon ausgehen, dass ein wilder, erwachsener Fuchs, den man berühren und ohne großen Widerstand einfangen kann, ein ernstes Problem hat. Da es für Laien meist schwer ist, den Gesundheitszustand eines Fuchses richtig zu beurteilen und insbesondere Anzeichen für lebensbedrohliche Probleme zu erkennen, sollte im Zweifel jeder Patient möglichst zeitnah bei einem fuchserfahrenen (Wild-)Tierarzt oder zumindest in einer erfahrenen Fuchsauffangstation vorgestellt und untersucht werden. Sicher ist sicher – machen Sie keine Experimente und zögern Sie nicht, professionelle Hilfe zu suchen! Selbst wenn sich die Situation dann doch als eher harmlos herausstellen sollte, kann auch dann im Sinne des Tierschutzes oft unnötiges Leid verhindert werden (z. B. indem ein Schmerzmittel verabreicht wird).

Allerdings gibt es in der Wildtierhilfe durchaus Situationen, in denen jede Sekunde zählt und es wirklich unmittelbar um Leben oder Tod geht. Dann hat ein Fuchs keine Zeit mehr, um bis zum nächsten Tag auf den Tierarztbesuch zu warten, sondern benötigt sofort (intensiv-)medizinische Hilfe. Wenn keine sinnvolle, dem Wildtier zumutbare Behandlung mehr möglich sein sollte, kann der Tierarzt den Fuchs dann wenigstens einschläfern und somit das Leiden verkürzen.

Falls lediglich ein normaler Haustierarzt bereitsteht, um den Fuchs zu untersuchen, dann sollte er idealerweise telefonische Rücksprache mit einem fuchskundigen Kollegen halten. Leider kommt es nämlich immer wieder vor, dass Tierärzte ohne Fuchserfahrung Füchse falsch behandeln oder sie gar aufgrund eines unbegründeten Verdachts auf Tollwut/Staupe oder auch in Unkenntnis der Rechtslage beschlagnahmen, euthanasieren oder an einen Jäger abgeben. Zu beachten ist beispielsweise auch, dass ein nicht stabiler Patient mit unklarer Vorgeschichte bei der ersten Vorstellung beim Tierarzt keine Behandlungen erhält, die nicht unbedingt notwendig sind (z. B. Antiparasitika/Spot-Ons oder Impfungen). Unnötige Behandlungen verursachen in dieser Situation nicht nur vermeidbaren Stress und ggf. hohe Kosten, sondern können sogar zum Tod des Fuchses führen – dazu aber in einem anderen Kapitel mehr.

Fälle

In den folgenden Situationen sollte ein Fuchs unbedingt sofort einem fuchskundigen Tierarzt vorgestellt werden:

  • Autounfall:
    Der Verdacht genügt, da man Verkehrsopfern oft auch schwere Verletzungen äußerlich nicht ansehen kann. Es können Knochenbrüche, innere Blutungen, Schädel-Hirn-Trauma, Schock usw. vorliegen. Wenn ein Fuchs bewusstlos am Straßenrand oder in der Nähe einer Straße in einem Garten oder Dickicht liegt, oder verletzt oder orientierungslos in Straßennähe umherirrt, könnte er Opfer eines Verkehrsunfalls sein. Lähmungen müssen übrigens kein Todesurteil sein, sondern können z. B. auch durch eine Schwellung nahe dem Rückenmark verursacht werden und sind ggf. reversibel.
  • Hundeangriff:
    Der Verdacht genügt! Es können äußerlich kaum sichtbare aber dennoch ggf. schwere Verletzungen, Blutverlust und Schock vorliegen. Ältere Bissverletzungen können zu schwere Infektionen unter der Haut geführt haben.
  • Vergiftung:
    Der Verdacht genügt! Teilen Sie dem Tierarzt unbedingt mit, welchen Stoff Sie als Ursache für die mögliche Vergiftung vermuten (z. B. Schneckenkorn, Rattengift, Schokolade, usw.).
  • Abschnürungen:
    Zu Abschnürungen kann es kommen, wenn sich ein Fuchs beispielsweise in einem Netz (Fußballnetz, Gartennetz), einem Zaun oder einer (Schlingen-)Fallen verfängt. Der Fuchs darf dann nicht einfach befreit und freigelassen werden, da es durch die Abschnürung ggf. zu Gewebeschäden gekommen sein kann, die dann später zu großen, offenen Wunden führen. Der Fuchs sollte dem Tierarzt vorgestellt und ggf. für einige Tage unter Beobachtung gestellt werden.
  • Schock:
    Ein Schock im medizinischen Sinne ist eine lebensbedrohliche Störung des Kreislaufsystems. Der Schockzustand kann durch vielfältige Ereignisse ausgelöst werden wie z. B. Unfälle, Beißereien mit anderen Tieren, starken Blutverlust, Hitzschlag, etc. ausgelöst werden. Man kann davon ausgehen, dass nahezu jeder wilde, erwachsene Fuchs, den man einfängt, zu einem gewissen Maße an einem Schock leidet. Symptome können blasse (oder sogar fast weiße) Schleimhäute, kühle Pfoten/Schwanzende/Ohren, eine flache und beschleunigte Atmung, ein beschleunigter Herzschlag, Zittern, Schwäche, taumelnder Gang, Apathie, Zusammenbrechen und Bewusstlosigkeit sein.
  • Dehydration:
    Dehydration ist ein starker Flüssigkeitsmangel, der zu Austrocknung führt – ein kritischer Zustand der ab einem gewissen Grad intensivmedizinisch über mehrere Tage hinweg behandelt werden muss. Symptome können trockene Schleimhäute, eingefallene oder trockene Augen, Verlust der Hautelastizität (zwischen Zeigefinger und Daumen aufgezogene Hautfalten bleiben stehen anstatt sich wieder zu glätten), lange Rekapillarisierungszeit, ungewöhnlich geringes Körpergewicht, hohe Urinkonzentration mit sehr geringem Volumen und große Schwäche sein.
  • Hypothermie (Unterkühlung, zu niedrige Körperkerntemperatur):
    Bewusstlose Füchse oder junge Welpen können ihre Körpertemperatur nicht ausreichend regulieren. Auch Füchse, die aus irgendeinem Grund Teile ihres Fells verloren haben, können im Winter leicht unterkühlen. Regendurchnässte, im Winter im Freien aufgefundene oder aus dem Wasser geborgene Füchse können ebenso unterkühlt sein. Das Aufwärmen muss sanft und kontrolliert vom Rumpf aus erfolgen, ggf. auch mithilfe von warmen Infusionen.
  • Hyperthermie (Überhitzung, zu hohe Körperkerntemperatur):
    Zu einer Überhitzung kann es bei Füchsen kommen, wenn sie sich aus irgendeinem Grund nicht einer Hitzequelle (z. B. direkte, starke Sonneneinstrahlung) entziehen können. Beispiele wären ein bewusstlos in der Sonne liegender Fuchs, ein im Sommer in einem geschlossenen Raum (z. B. in einer Gartenlaube) eingesperrter Fuchs oder ein falsch transportierter Fuchs (z. B. KFZ in der Sonne). Symptome können Abgeschlagenheit, hecheln, hörbar laute Atmung, schneller Puls, Dehydration (s. o.), Schwäche, Zittern und Kollaps sein. Begießen mit kaltem Wasser kann eine Erste-Hilfe-Maßnahmen sein.
  • Knochenbrüche:
    Aufgrund der Schmerzen und der weiteren Verletzungsgefahr eines Patienten im Stress der Gefangenschaft müssen Knochenbrüche zeitnah fachgerecht versorgt werden. Dazu gehört eine Schmerztherapie und zumindest das vorübergehende Richten und Schienen z. B. bei einem Beinbruch. Eine OP kann ggf. später, also nach Stabilisierung des Patienten, geplant werden.
  • Wunden, offene Brüche, stärkere Blutungen:
    Nach der Erstversorgung vor Ort (z. B. Stillen der Blutung) muss der Tierarzt aufgesucht werden, um die Wunde fachgerecht zu versorgen (reinigen, ggf. nähen, usw.) sowie ggf. weitere Maßnahmen zur Stabilisierung und Therapie einzuleiten (Infusionen, Schmerzmittel, Antibiotika, etc.).
  • Madenbefall:
    Maden müssen SOFORT restlos abgesammelt werden, jede Sekunde zählt.
  • Weitere Symptome , bei denen eine dringende Vorstellung beim Tierarzt nötig ist:
    • Gelb gefärbte Mundschleimhäute.
    • Ein wilder Fuchs liegt auf der Seite und dreht sich nicht auf den Bauch bzw. auf die Pfoten, wenn Sie sich nähern. Dieses Verhalten ist oft ein deutliches Alarmsignal. Der Fuchs liegt möglicherweise buchstäblich im Sterben.
    • Fuchs läuft im Kreis, scheint Abwesend und Orientierungslos.

Bei wilden Füchsen, die ohne jeden Zweifel keine Chance auf Genesung haben (z. B. Füchse, die eindeutig überfahren wurden, jedoch noch leben), wäre ein Rettungsversuch für den Fuchs mit unnötigem Stress, großer Angst und starken Schmerzen verbunden. Die Anwesenheit eines Menschen bietet einem Wildtier kein Gefühl der Geborgenheit, sondern zusätzlichen Stress, da der Mensch aus Sicht des Fuchses ein potentieller Todfeind ist. Obwohl ich die Fuchsjagd ganz klar als sinnlos und grausam ablehne, kann in solchen Spezialfällen der Tod durch einen Fangschuss aus Jägerhand eine vernünftigere Maßnahme sein, als das Einfangen, der Transport zum Tierarzt, die Untersuchung und Euthanasie.

(Stand: 21.02.2018, Angaben ohne Gewähr)